Venezuela
Die gefährlichste Siedlung der Welt: "Galileo X-Plorer" besucht das Blitzdorf
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von Claudia FrickelAn keinem Ort der Erde blitzt es so oft wie am Maracaibo-See in Venezuela - an bis zu 260 Nächten pro Jahr. Ein "Galileo X-Plorer"-Team wagt sich in das Fischerdorf Ologá, das mitten im Wasser auf Stelzen liegt. Wie leben die Menschen im gefährlichsten Dorf der Welt?
So gehen die Bewohner:innen mit der ständigen Lebensgefahr um
Hellweiße Lichtblitze zerreißen die dunkle Nacht immer wieder und schnell hintereinander. Hunderte Male pro Stunde kommt es über dem See zu elektrischen Entladungen. Das Spektakel hält mehrere Stunden an - statt weiterzuziehen, breitet es sich immer weiter aus.
Was sich über dem Maracaibo-See im Nordwesten Venezuelas abspielt, ist einzigartig: Hier toben die berüchtigten Catatumbo-Gewitter, benannt nach einem Fluss in der Nähe. An bis zu 260 Nächten pro Jahr treten extrem häufige Blitze auf. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es 20 bis 30 Gewittertage pro Jahr.
Dass es sich um den gewitterreichsten Ort der Erde handelt, ist sogar wissenschaftlich bewiesen: Ein NASA-Team stellte das 2016 mithilfe von Beobachtungen aus dem All fest.
Es sind so viele Blitze, die kann man gar nicht zählen.
Blitze über dem Dorf Ologá am Maracaibo-See - so viele wie hier gibt es nirgendwo sonst.
Bild: picture alliance / Newscom
Wer sich an oder auf dem See aufhält, befindet sich oft in Lebensgefahr: Die Blitze können jederzeit und überall einschlagen. Und doch liegt im Wasser ein Fischerdorf auf Stelzen. Um inmitten der Naturgewalt zu überleben, müssen sich die 200 Bewohner:innen von Ologá anpassen. Viele von ihnen kamen schon direkt mit Blitzen in Berührung.
Alle hier kennen die Regeln, wenn die Gewitter starten: ins Haus gehen, drinbleiben und kein Metall anfassen. Allerdings bestehen die Dächer oft aus Metallplatten und die Wände sind mit dem Material verkleidet. Also gilt: "Wir dürfen Dach und Wände nicht berühren“, erzählt Bewohnerin Jenny Romero. "Ich bin schon ein bisschen ängstlich", gesteht sie dem "Galileo X-Plorer"-Team.
Vor 15 Jahren hat ein Blitz ihren Opa erwischt, als er gerade in seiner Hängematte lag - die Geschichte kennt jedes Kind in Ologá. Francisco Romero hatte unglaubliches Glück: Nicht nur überlebte er, sondern er trug auch keine bleibenden Schäden davon. Verbrennungen sowie Herz- und Hirnschäden sind wahrscheinlich, wenn die Naturgewalt jemanden trifft.
Es hat sich angefühlt, als hätte ich Motoren im Kopf.
Die gefährlichste Siedlung der Welt: Warum blitzt es am See so oft?
Der 200 Kilometer lange und bis zu 110 Kilometer breite Maracaibo-See ist einer der größten Südamerikas. Er liegt in einem tiefen Tal und ist an drei Seiten von hohen Bergen der Anden umgeben.
Die Gebirgszüge lenken feucht-warme Luftströme aus dem Karibischen Meer in die Region. Es ist heiß und dampfig: Die Luftfeuchtigkeit beträgt 80 Prozent, die Mitteltemperatur eines Jahres 33 Grad Celsius. Über dem See verdunstet sehr viel Wasser, wodurch die warme Luft extrem feucht wird. Sie steigt auf und prallt mit den kälteren Luftmassen aus den Bergen zusammen.
Dabei entstehen mächtige Gewitterwolken, die stark in die Höhe wachsen. In ihrem Inneren trennen sich positive und negative elektrische Ladungen, was zu extrem vielen Blitzen führt. Die Berge halten die Wolken quasi fest, sodass die Gewitter oft stundenlang andauern.
Jetzt das "Galileo" Team auf der Suche nach dem gefährlichsten Ort der Welt begleiten
Das Dorf im Epizentrum der Blitze: So erlebt das "X-Plorer-Team" eine der krassen Blitznächte
Das "Galileo X-Plorer" wagt sich ins gefährliche Blitzdorf. Mit Flugzeug, Auto und Boot macht sich das dreiköpfige Team auf den Weg in das abgelegene Ologá auf dem Maracaibo-See. Sie wollen eines der berüchtigten Catatumbo-Gewitter hautnah miterleben.
Die drei übernachten in einem der Stelzenhäuser - in Hängematten am Wasser. Aber als die Nacht heraufzieht, bekommen sie Muffensausen: "So toll finden wir unsere Unterkunft jetzt nicht mehr", sagt Reporterin Franziska Wiest. Bei Gewitter ausgerechnet auf dem Wasser zu sein, scheint keine gute Idee gewesen zu sein. Ihr Guide Jose Chelo Morales hatte sie eindringlich gewarnt: "Wenn du Metall anfasst oder zu weit nach draußen auf den Steg gehst, kann es dich erwischen."
Dann beginnt das Spektakel. Es blitzt ununterbrochen. "Die Frequenz ist unglaublich", stellt Franziska fest. "Es geht hier wirklich Schlag auf Schlag." Toningenieur Alex ergänzt: "Ich glaube, ich habe in einer Stunde mehr Blitze gesehen als in meinem ganzen bisherigen Leben."
Wie spektakulär sich die Blitze über dem Wasser entladen, kannst du dir in der "Galileo X-Plorer"-Reportage "Die Suche - Der gefährlichste Ort der Welt" oben im Video sowie auf Joyn ansehen. Dort erfährst du auch, warum in dem Blitzdorf die seltsame Regel gilt, dass bei Blitzen sofort die Spiegel verhängt werden müssen - und was die Fischer auf dem Wasser machen müssen, wenn ein Gewitter aufzieht.
"Galileo" montags bis freitags um 19:05 Uhr auf ProSieben und Joyn
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