Tim Bendzko ist immer noch nicht der Sonnyboy, den viele in ihm sehen
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Bild: Sony Music Entertainment Germany GmbH
Das neue Album von Tim Bendzko heißt "Alles, nur nicht zurück" – und wer da eine gewisse Verzweiflung rausliest, liegt gar nicht mal so falsch. Die 12 Songs sind voller Selbstzweifel, Sinnsuche und Trauer um seine beendete Ehe, aber hier und da blitzt dann auch der Optimismus durch. Eine sehr emotionale Spannung, die man auch bei der im Mai startenden Tour spüren wird.
Tim Bendzko muss man heutzutage nun wirklich nicht mehr groß vorstellen. Eigentlich ist er ja schon seit 2011 ein Darling der Deutschen, als er so ganz nonchalant verkündete, er müsse "Nur noch kurz die Welt retten". Dieser beschwingte, dezent soulige Pop, der junge, blonde Wuschelkopf, das einnehmende Lächeln – das kam damals wie heute gut an. Allerdings musste man sich durchaus hin und wieder mal fragen, ob so ein früher Hit eigentlich eher Fluch oder Segen ist, rennt man diesem Erfolg doch immer auch ein Stückweit hinterher. Andererseits: 2019 toppte Bendzko mit dem Stadion-Pop von "Hoch" diesen Erfolg noch mal gehörig – unter anderem weil das Lied tatsächlich in Stadien und in Werbeclips zu Sportereignissen gespielt wurde.
Was seine Karriere dabei so spannend machte: Bendzko, auch wenn das jetzt fies klingt, sah dabei nie so aus, als würde er all das durchgehend genießen können. Selbst, wenn die Musik oft catchy und zugänglich blieb, hörte man bei ihm immer wieder Zeilen, die so gar nicht zum Songwriter-Sonnyboy passen, den viele in ihm sehen wollen. Man denke nur an Lieder wie "Keine Maschine" aus dem Jahr 2016, wo es heißt: "Ich bin doch keine Maschine, ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut". Oder man höre das gut drei Jahre alte "Kein Problem". Vordergründig vergnügter Reggae-Vibe, und dann die Zeile: "Kann jemand mal mein Glas halten, während ich aus dem Fenster spring. Und du kannst meine Hand halten, wenn wir auf dem Weg nach unten sind."
Warum dieser Exkurs? Weil auch sein neues Album meistens vordergründig unbeschwert klingt, aber dabei einige ziemlich zweifelnde Zeilen parat hat. Das geht schon beim Titelsong und Album-Opener los: "Alles, nur nicht zurück." Das klingt schon als Wortfolge fatalistisch, und wird auch in den Lyrics nur bedingt heller: "Bin immer noch derselbe, immer noch voller Zweifel. Nichts, was mir lieb ist, wird mir bleiben. Kann nur fliegen, wenn ich leide." Autsch. Aber genau dieser Kontrast – und der dezent eingewobene Optimismus, dass es jetzt nur besser werden kann, machen das neue Album so interessant.
Wer Tim Bendzkos öffentliche Auftritte und seine Social-Media-Accounts im Blick hat, weiß natürlich, dass er in diesen Liedern eine schwierige, private Zeit verarbeitet. Bendzko hat sich von seiner Frau getrennt und in einem Video offen darüber gesprochen. Dennoch sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Das ist kein Trennungsalbum. Es gibt zwei Songs, die sich darauf beziehen – und das auch relativ eindeutig. Aber es hat sich bei mir einfach auf vielen Ebenen etwas getan, auch beruflich." Außerdem findet er: "Ich bin jetzt 40 Jahre alt und wie das dann immer so ist, blickt man doch noch mal anders auf die Welt und stellt Sachen infrage. Ich habe plötzlich einen anderen Umgang mit ganz vielen Themen." Deshalb sei "Alles, nur nicht zurück" ein "Album über Veränderungen und die Songs gehen die einzelnen Phasen durch."
Neben dem Titelstück sind vor allem das elektronische, nervöse "Wir", das wie Bon Iver auf Deutschpop klingende "Unter Steinen" und das wehmütige, verhallt aufgenommene "Lass los" Höhepunkte der Platte. Die Single "Alles in Bewegung" ist mit diesen seltsamen Synthesizer-Sounds allerdings etwas gewöhnungsbedürfte, und bei "Immer" hätte der emotionale Text noch intensiver gewirkt, wenn man das Lied nicht mit diesen pompösen Streichern ins Theatralische gezogen hätte.
Spannend ist aber auch eine weitere Tatsache: Bendzko veröffentlicht nicht mehr über die großen Major-Plattenlabel. Für "Alles, nur nicht zurück" hat er sein eigenes gegründet.
Im Mai wird Tim Bendzko die neuen und die alten Lieder auf eine umfangreiche Tour bringen, die den Fokus auf das neue Material legen wird. Am 10. Mai geht Kuppelsaal im HCC in Hannover los. Letzter Gig ist das Heimspiel im Berliner Tempodrom am 26. Mai.
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