Mit "The Great Divide" wird Noah Kahan auch in Europa groß

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Bild: Noah Kahan


In den USA ist er einer Songwriter-Superstar, in Europa müssen viele Noah Kahan noch entdecken. Ein guter Einstieg ist seine Single "The Great Divide", die zugleich auch der Titeltrack seines kommenden Albums ist.

Den US-Bundesstaat Vermont hatten viele lange Zeit nicht wirklich auf der musikalischen Landkarte. Das änderte sich 2022 schlagartig, als plötzlich ein talentierter Mittzwanziger namens Noah Kahan viral ging. Der Sänger und Songwriter war da schon eine ganze Weile im Game. Sein Debütalbum "Busyhead" kam immerhin schon 2019 – und hatte mit dem wunderschönen, sehr eigenwillig geschriebenen "False Confidence" gar einen ersten gar nicht mal so kleinen Hit. Interessanterweise verdankte Kahan seine erste größere US-Tour einer deutschen Band: Kahan eröffnete als 19jähriger die Shows der damals in Amerika sehr großen Milky Chance aus Kassel.

Musikalisch irgendwo zwischen Folk, Pop und Country schaffte es Noah Kahan früh, vielen Amerikaner:innen aus dem Herzen zu sprechen. Dabei wählt der aus Strafford in Vermont (was in der Region New England liegt) stammende Songwriter oft Metaphern und Situationen, die einerseits im Nordosten Amerikas verwurzelt sind, aber gleichzeitig viele zwischenmenschliche Interpretationen und Andockpunkte zulassen.

Bestes Beispiel dafür – und damit sind wir im besagten Jahr 2022 – ist seine Single "Stick Season". Schon der Titel muss hier erklärt werden: "Stick Season" nennt man den Spätherbst in New England. Es ist die Zeit nach dem wunderschönen "Indian Summer", in dem der Himmel oft blutrot erstrahlt und noch ein Hauch Sommerwärme in der Luft hängt. Die "Stick Season" wiederum reicht von Halloween bis zum ersten Schnee und wird in New England oft als eine besondere zähe, deprimierende Zeit angesehen, in der man sich oft zu viele Gedanken über das Leben macht. Der eigentliche sehr konventionelle Folk-Song wurde ein massiver TikTok-Hit – vor allem, nachdem sich Olivia Rodrigo als Fan outete und das Stück im renommierten BBC-Format "Live Lounge" coverte.

Seitdem ist Noah Kahan ein Star – in den USA sowieso, aber zunehmend auch hierzulande. Wenn Ende April sein neues Album "The Great Divide" erscheint, schauen viele Menschen auf der ganzen Welt schon bedeutet genauer hin. Auch seine Konzertlocations zeigen, dass die Sache mit ihm immer größer wird.

Den Titelsong von "The Great Divide" gibt es schon als Single zu hören: eine simple, aber starke Komposition, die vor allem auf Kahans wehmütige Stimme und seinen wie immer starken Text setzt. Kahan sagte dem Magazin "People" über das Lied: "Es geht darin um zwei Menschen, die zusammen aufgewachsen sind, sich aber vielleicht doch nicht so gut kannten, wie sie dachten. In letzter Zeit habe ich mir oft bewusst gemacht, was ich den Leuten gerne gesagt hätte und was ich gerne anders gemacht hätte, und dieser Song ist gewissermaßen eine Erweiterung davon."

Lyrisch hat er diese unerwartete Entfremdung, oder vielmehr die Einsicht ebendieser, so festgenagelt: "I can't recall the last time that we talked / About anything but looking out for cops / We got cigarette burns in the same side of our hands, we ain't friends / We're just morons, who broke skin in the same spot."

Man darf davon ausgehen, dass sein neues Album wieder viele starke Lieder und Zeilen wie diese parat hat. Und man sollte darauf hoffen, dass Noah Kahan es bald mal für ein paar Konzerte nach Europa schafft. Fix geplant ist da aber leider noch nix: Ab Sommer ist Noah Kahan erstmal in den USA unterwegs – und spielt dabei sogar in dem ein oder anderen Stadion …

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